Ebo Schuy
Denkanstöße

Kreativität • Visuelle Wahrnehmungen Fotografie

     Die Renaissance der analogen Fotografie?

9. April 2021  •  Ebo Schuy

Die Renaissance der analogen Fotografie, viel wird darüber gesprochen und tatsächlich findet man die analoge Fotografie zum Teil sogar in der Werbung wieder. 

Die Rückbesinnung zur analogen Fotografie, etwas anderes bedeutet es ja nicht, wenn über die Renaissance gesprochen wird, scheint gerade der Rettungsanker für viele Fotografierende zu bedeuten. Warum aber müssen wir uns zurückbesinnen? 
Was macht eine Besinnung, in die Vergangenheit der Fotografie, sinnvoll? 
Ist es nicht so, dass nur das Wissen um die Vergangenheit und deren Umsetzung in die, zur Zeit relevanten Techniken logisch erscheinen? Was aber, wenn es keine zeitrelevanten Techniken gibt?
Die Fotografie steht vor dem Dilemma für die Industrie nicht mehr interessant zu sein, es wird wohl keine bahnbrechenden neuen Techniken, in den Möglichkeiten der fotografischen  Aufzeichnung, geben. 

Gehen wir ein paar Dekaden zurück, nach dem 2 Weltkrieg wird die Fotografie für die Allgemeinheit erschwinglich. Sie macht Ihren Weg aus der Nutzung, zu rein dokumentarischen Zwecken auch in die Wirtschaft und relativ zaghaft, in die privaten Haushalte.  Ab 1950 ist die Werbefotografie nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken, sie wird bis Anfang der 1990er Jahre einen steilen Aufschwung erleben.  Auch Fotografie als Hobby ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Die Fotografie boomt und ist wirtschaftlich extrem interessant für viele große Unternehmen. Agfa, Canon, Fujifilm, Ilford, Kodak, Leica, Mamiya, Minolta, Nikon, Pentax, Polaroid, Rollei, Voigtländer, um nur einige der gr. Film und Kamerahersteller zu nennen, erkennen welches Potenzial hier noch brach liegt und so ist es nicht verwunderlich, dass die digitalen Forschungen auch im Bereich der  Fotografie forciert werden, allen voran das Unternehmen Kodak. 
Nach 30 Jahren Fotografie im gesellschaftlichen Alltag, von etwa 1960 bis 1990 erlebt sie ab Anfang der 1990er Jahre eine revolutionäre Wandlung. Die digitale Bildaufzeichnung wird in rasanter Geschwindigkeit die analoge Fotografie fast gänzlich ablösen.  
Fotografie wird schnell und unkompliziert erlebbar. Jeder fotografiert plötzlich und wir erleben den großen Wandel, wie die Fotografie nun endgültig praktizierbar bei jedem  Menschen ankommt.  

Dreißig  Jahre später, 2020. 
Spätestens jetzt wird jedem bewusst, die Fotografie im klassischen Sinne ist in der breiten Masse längst durch die Smartphone-Fotografie abgelöst, das vorhandene Technikwissen reicht aus um die Sensoren und Linsen auf Miniaturformat zu schrumpfen. Es geht in der Entwicklung nicht mehr primär um bessere Abbildungen, es geht darum die Smartphones für die Nutzer interessanter zu gestalten, Fotografie wird in erster Linie bequem. Hieraus wird klar, außer den 4-5  großen Kameraherstellern die ein Image wahren möchten, hat niemand mehr Interesse an der technischen Weiterentwicklung der Fotografie. Die Evolution beschränkt sich auf mehr Pixel, intelligentere Kameras und automatisch generierbaren Bildstiles.
Die Fotografen*innen können sich nicht mehr auf neue Techniken berufen die Ihre Arbeit interessanter macht.  In ganz vielen Bereichen führt das zu einer besonderen Hilflosigkeit, wenn Bilder nicht mehr mit neuer, überraschender „WOW-Effekt-Technik“ aufgenommen werden können. Die Verfremdung  mit Bildbearbeitungsprogrammen und Apps, auch für das Smartphone, sind längst  alltägliche, langweilige Möglichkeiten.  

Vorwärts geht es also nicht mehr mit der Fotografie und wenn man vor einer Mauer steht,
dann bleibt nur der Weg zurück.  

Es lebe die analoge Technik!
… oder sollte es eine  Renaissance des fotografischen Inhaltes geben, die der Dokumentation des  Gesehenen, Gedachten und Gefühlten entspricht?  Wollen wir es wirklich angehen, Fotografie nicht mehr der fotografischen Technik wegen zu betreiben, sondern Bilder schaffen, die nicht auf der Basis anderer gesehener Bilder beruht, sondern  Schöpfungen der eigenen Persönlichkeit sind?  
Wäre das die Renaissance der Fotografie?   
Wer spricht dann noch über Technik?

©Ebo Schuy

wir dürfen gespannt sein, 
wie wir im nächsten Schritt mit künstlicher Intelligenz Bilder aus Gedanken generieren! 
Es wird ganz sicher keine weiteren 30 Jahre dauern.

20-02-2021

   Test  > visuelle Wahrnehmungen

Visuelle Wahrnehmungen  spielen eine immer gößere Rolle in der alltäglichen Kommunikation.
Mehr dazu  in neuen Publikationen  von mir in den nächsten  3-4 Wochen.

14-02-2021

   Verständnis > Fotograf

Immer mehr wird mir klar, wie wichtig für langfristigen Erfolg, gerade in der Fotografie, die persönliche Tiefe ist. Selbst in den Sozial Media Kanälen wird von seriösen Unternehmen immer mehr das Bild hinter dem Bild gefragt. Das Warum- the big why-  wird immer wichtiger wenn man als Autor*in eines Bildes anerkannt werden will.   Fotograf*in zu sein, ist kein Beruf mehr, der auf handwerklichen Fähigkeiten aufbaut.  Zu Zeiten der analogen Fotografie war es allerdings so, dass alleine das Handwerk, mit dem Verständnis für große, technische Kameras und den unterschiedlichsten Labortechniken dazu befähigte in diesem Beruf erfolgreich sein zu können. Fotografische Romantik gibt es hier nicht mehr, so wie es keinen Fotografen*in mehr gibt die/ der gebucht werden weil sie fotografieren können.
Im kommerziellen Einsatz und hier wohl auch hauptsächlich im B2B-Bereich werden Bildautoren*innen gesucht, die zeichnerisch, digital oder fotografisch in der Lage sind, sehr gezielt Botschaften, klar oder auch verschlüsselt für ein Business an den/die  Consumer*in zu bringen.  Menschen die Bilder machen weil sie fotografieren können gibt es millionenhaft.    Bei Autoren*innen  für Bilder ist es wie bei Autoren*innen für Bücher.  Der/die Schriftsteller *in reicht es nicht, wenn er/sie schreiben kann. Insofern wird auch in diesem Beispiel schnell klar, wie es sich mit „Abschreiben“ und Kopieren  von Bildern verhält. Ich bin dankbar für die Souveränität die ich dadurch erlangt habe, mich nicht mehr Fotograf nennen zu müssen.  Als Autor*in darf ich meine Bilder zu meinen Honoraren  entstehen lassen.  Als Autor*in muss ich kein austauschbares Bild mehr liefern, als Autor*in darf ich mein Bild liefern, wie ein Buch, das ein*e Schriftsteller*in liefert, da ist es auch nicht egal wer das Werk schreibt.
Jede*r der also mit Bildern Geld verdienen möchte sollte sich sehr bewusst darüber sein, dass das pure Ablichten eines Produktes oder auch eines Menschen wahrscheinlich von einer Maschine besser erledigt werden kann.
Fotografen*innen müssen das Verständnis eines Autoren *in, eines oder einer  Bildautoren*in haben  um erfolgreich zu sein.
Die besondere Berechtigung als Fotograf*in zu arbeiten gibt des nicht .. die hat Jede*r .  Fotografie als selbstständig ausgeübter Beruf kann nur als freie und mit individueller Persönlichkeit ausgeübte Tätigkeit verstanden werden, die nur dann funktioniert wenn fotografischer Stil und Personality klar erkennbar sind. 
© Ebo Schuy